Jürgen Schrader: Die alte Burgruine bei der Pöllatschlucht

Pünktlich zum 150. Jahrestag der Grundsteinlegung von Schloss Neuschwanstein erschien ein kleines Büchlein mit einer Erzählung in Form einer Novelle. Der Autor kennt sich sowohl mit Schlössern als auch mit der Bühne aus und ist damit prädestiniert, über den Bau des Schlosses Neuschwanstein (damals: Neue Burg Hohenschwangau) zu schreiben. Jürgen Schraders Novelle beginnt mit dem Blick auf die Burgreste der Vorgängerburg und schließt mit der Öffnung der Burg für Touristen.

Autor: Jürgen Schrader
Books on Demand (BoD)
Sprache : Deutsch
Taschenbuch: 41 Seiten
Preis: 4,99 Euro
ISBN-13 : 978-3-7494-0331-8

Der 1959 in Wuppertal geborene Autor Jürgen Schrader hat sich schon früh mit Kunst und Geschichte beschäftigt und hielt Vorträge über König Ludwig II. von Bayern und Richard Wagner. Auf der Marksburg am Rhein führte er Touristen und beglückte Jahrzehnte lang Zuschauer auf der Bühne als Statist. Seine Novelle „Die alte Burgruine bei der Pöllatschlucht“ ist bereits seine vierte Veröffentlichung. Mit dieser Vorgeschichte ist er wohl mehr als berufen, ein Buch über diesen kleinen, aber wichtigen Ausschnitt aus dem Leben und den Plänen König Ludwig II. zu schreiben. Er tut dies in einem wirklich sehr schönen sprachlichen Stil und mit bescheidener Zurücknahme. Auf 41 Seiten führt der Autor durch die Burg und seine Geschichte.

Schrader – Titelbild

Dabei verzichtet er auf jegliche Abbildungen oder Fotos und ergänzt auch sonst keinerlei Tabellen oder Zeitlinien. Das mag manchen befremdlich erscheinen, zwingt den Leser aber, sich auf den Text zu konzentrieren. Der Autor spricht so die Fantasie des Lesers an, wenn er schreibt: „Der König wußte genau, was er wollte und wie er es sich vorstellte“ (Seite 27). Dabei hätte ich mir zwar ein paar Erläuterungen gewünscht, aber es geht um die Vorstellung Ludwigs von der Burg, die „heilig und unnahbar“ (Seite 29) sein soll.

Schrader – Blick ins Buch

„Die Burg war also tatsächlich steingewordene Literaturgeschichte“ (Seite 38) und dies regt doch an – sofern man sie noch nicht kennt – die zugrundeliegende Literatur aus dem Mittelalter, aus der Sagenwelt und aus den Opern Richard Wagners zurate zu ziehen. Mit den Anmerkungen zur Ausstattung, wie im Schlafzimmer, „ausgemalt mit ‚Tristan und Isolde‘, deren Liebe nur der Tod vereint“ (Seite 40) zeigt der Autor die Tiefe seiner Kenntnisse. Nicht zuletzt ist dies der Raum, in dem quasi seine Träume starben, denn hier „wurde ihm mitgeteilt, daß sein Onkel die Regentschaft übernommen habe.“ – „Geht leise, denn ihr geht auf meinen Träumen“ – endet die Novelle und man scheint aus einem Traum aufzuwachen.

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Autor: admin

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